Lech am Arlberg
Lech am Arlberg

Lech am Arlberg

Wir haben eine Woche Urlaub und wissen nicht, was wir unternehmen sollen. Bei Temperaturen über 30°C kann man ja nur noch im Haus sitzen und warten, dass es Abend und etwas kühler wird. Wir beschlossen es in den Bergen zu versuchen, in der Hoffnung hier Abkühlung zu finden. Tom buchte uns kurzentschlossen am Sonntag ein Hotel in Lech am Arlberg für 3 Nächte ab Montag. Also wirklich recht kurzfristig.

Bevor ich in mein “Frei” starten durfte, bekam ich von meinen Kolleginnen noch eine Aufgabe zugeteilt. Unser Büro-Schaf „Wolle“ will unbedingt mit uns allen auf Reisen gehen und nun bin ich dran ihm die große, weite Welt zu zeigen. Auf Mallorca war er schon für ein Wochenende und nun geht es für ihn mit der Fähre über den türkisfarbenen See nach Meersburg und weiter nach Bregenz.

Durch den Bregenzer Wald fuhren wir in Serpentinen an der Bregenzerach entlang. Unterwegs fanden wir eine kleine Beitz, die uns zur Mittagsrast einlud. Am Fischteich in Au kann man sich sein Essen selbst angeln und dann zubereiten lassen. Wir nahmen uns keine Zeit, um auf Fischfang zu gehen, aber für eine kleine Stärkung reichte es.

Dann fuhren wir weiter das Tal hinauf und an Mellau vorbei. Am Ziel in Lech am Arlberg auf 1435 Metern Höhe waren es immer noch 28°C, aber es wehte ein angenehmes kühles Lüftchen. Das Hotel besticht mit viel hellem Holz und macht mit den vielen Uhren an den Wänden einen sehr heimeligen Eindruck.

Es gibt einen Indoor und einen Outdoor Pool, der ein Badeteich ist. Die ganze Anlage ist mit viel Liebe zum Detail hergerichtet und Wolle drehte begeistert eine Runde auf dem Vogelkarussell.

Morgen wollen wir eine Wanderung oberhalb von Lech am Arlberg wagen, obwohl die Wettervorhersage nicht ganz so super aussieht.

Nach einem Frühstück mit Omelett, Brötchen und Kaffee ging es zur Talstation.

Von hier aus gleiteten wir mit einer Kabinenbahn 200 Meter hoch und stiegen in Oberlech auf einen Sessellift um.

Nochmals ging es ohne Kraftaufwand in die Höhe. Als wir in Petersboden aus dem Lift stiegen, sahen wir wie sehr dunkle Wolken über die Bergspitzen hereindrängen. Es wird uns doch hoffentlich nicht so ergehen wie damals, als wir auf dem Nebelhorn gestrandet waren.

Was nun? Eine Gruppe mit Bergführer ging trotz Blitz und Donner bergauf. Wir beschlossen es auch zu wagen und liefen ebenfalls los. Durch das fehlen der Sonne und einem teils sehr starken Wind wurde es immer kühler und so zogen wir unsere Pullis rasch drüber.

Die Wiesen und Weiden stehen zurzeit in voller Blühte und ich erfreute mich am Farbenspiel von Taubenkropf, Glockenblume und Alpenrosen.

Wolle fand Gefallen am Murmeltier, aber wir drängten weiter.

So langsam fallen sogar die ersten Regentropfen und wir beschlossen die Capes anzuziehen und zur nächsten Alpe zu wandern.

Bergauf in diesen Höhen kam ich aber nicht so schnell vorwärts, ich kam ganz schön ins Schnaufen. In der urigen Kriegeralpe haben schon andere Wanderer Zuflucht vor dem Wetter gesucht, wir fanden aber trotzdem einen freien Platz in der guten Stube.

Wir bestellten uns einen Cappuccino und genossen das Ambiente und die Aussicht durch die kleinen Fenster.

Nach und nach wurde es draußen heller und sogar die Sonne schickte ein paar lockende Strahlen. Wir packten unsere Ponchos wieder in die Rucksäcke und liefen weiter bergauf.

An den oberen Gipslöchern machten wir einen Fotostopp und lauschten den alpinen Piepmätzen (Bergpieper, Bluthänfling und Gebirgsdohle). Die dunklen Wolken verzogen sich nach und nach und die Sonne brachte uns beim Aufstieg ganz gut ins Schwitzen.

Wir beschlossen eine Runde um den Butzensee zu wandern (ca. 8 Kilometer) und nicht wie ich es zuerst gedacht hatte zur Juppenspitze (ca. 10 Kilometer). Die Wetterlage sieht im Moment zwar sehr gut aus, aber es sollen heute nochmals Gewitter reinziehen und diese wollen wir nicht auf dem Gipfel oder auf dem Abstieg erleben.

Wir kämpften uns noch weiter steil bergauf bis zum Mohnenfluhsattel. Das soll unser höchster Punkt (2316 m) heute sein und Wolle ist stolz es bis hier hinauf geschafft zu haben.

Vom Sattel aus sieht man schon den blauen See, der auf 2119 m.ü.M. liegt, zwischen den Berggipfeln Mohenfluh, Butzenspitze und Zuger Hochlicht in einer Sattelmulde liegen.

Über spitzige Steine und Schotter laufen wir mühelos unserem Ziel entgegen.

Plötzlich fühlte sich mein linker Schuh merkwürdig an und als ich ein paar Schritte weiter hinsah, musste ich feststellen, dass etwas mit der Sohle nicht stimmt. Sie löst sich einfach vom Schuh!!! Was machen wir denn jetzt, der hält nicht mehr lange durch. Zum Glück habe ich kinesiologisches Tape (eigentlich zum Stabilisieren von Gelenken) dabei. Von der Rolle schnitt ich einen langen Streifen ab und klebte damit die Sohle an den Schuh.

Das sieht zwar nicht sehr schön aus, aber es wird hoffentlich schon halten. Als ich aufstehen wollte sah ich, dass der rechte Stiefel sich genauso verabschieden will. Also wurde auch dieser kurzerhand daran gehindert. Aber wie lange wird diese Notreperatur wohl halten? Zum See runter wollte ich dann nicht mehr gehen, sondern lieber ein paar Kilometer sparen und oberhalb des in der Sonne glitzernden Nass zurück zur Station wandern.

Über ein Geröllfeld und an den letzten Schneefetzen vorbei ging es bis zur Mittagsrast. Diese verbrachten wir dann in der Sonne mit Blick auf den Butzensee mit seiner tiefblauen Farbe und einem bestechenden Rundumsicht auf die hohen Gipfeln der österreichischen Alpen.

Unser Weg verlief ab hier wieder zwischen saftig grünen Wiesen mit vielen bunten Blüten und teilweise kamen wir sogar schon an kleinen Latschenkiefern vorbei.

Meine Schuhe hielten immer noch, was mich langsam zuversichtlich stimmte, die Bergstation noch ohne größere Probleme zu erreichen.

Wieder ging es an den Gipslöchern vorbei, diesmal die mittleren. Auf dem nächsten Bänkchen machten wir nochmals eine kleine Pause, die Schuhe halten nicht länger nur weil wir schneller am Ziel ankommen. Deshalb genossen wir nochmals die Ruhe und die Aussicht. Bei einem kurzen Kontrollblick auf mein Schuhwerk stellte ich fest, dass das Tape noch nicht durchgelatscht ist. Aber irgendetwas fühlt sich komisch an. An der Bergstation mit dem Sessellift merkte ich, dass die Sohle die Verbindung zur Spitze verliert, aber es wird schon noch halten. Viele Meter muss es nicht mehr halten.

Mit dem Sessellift gleiteten wir entspannt hinunter nach Oberlech. Die paar Meter zwischen Talstation der Petersbodenbahn und der Bergstation der Oberlechbahn merkte ich, dass sich jetzt alles auflöst. Jetzt nur noch in die Bahn und runter ins Tal.

Trotz der Widrigkeiten kann ich den Blick ins Lechtal genießen. Unten in Lech am Arlberg angekommen, lief Tom zum Hotel und holte mich mit dem Auto ab. Die Schuhe sind nun wirklich reif für die Mülldeponie.

Lech am Arlberg

Den restlichen Tag ließen wir am Badeteich und auf der Hotelterrasse bei einem Kaffee und süßen Stückchen ausklingen. Zum Abendessen kamen wieder Gewitter mit heftigen Regenfällen herein, die wir vom trockenen Gastraum aus bewundern konnten.

Bildergalerie zu Lech am Arlberg

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