Ein Tag in Hanoi
Ein Tag in Hanoi

Ein Tag in Hanoi

Unser Hotel, in dem wir nun zwei Nächte schlafen werden, liegt mitten im Zentrum. Es hat 14 Stockwerke und unser Zimmer liegt im Dritten. Ihr könnt euch vorstellen, wie gut die Aussicht ist. Die Fenster sind nur angedeutet bzw. enden in einem Lichtschacht, der tagsüber beleuchtet wird, damit man das Gefühl hat Naturlicht zu sehen.

Hanoi

Frühstück gabs im 13 Stock mit Sicht über die Skyline, oder eher zum nächsten höheren Haus. Der Himmel ist weiterhin eher verhangen, aber heute soll es teilweise sonnig werden.

Nachdem wir alle gestärkt waren, machten wir uns zu Fuß auf und gingen durch die turbulenten Gassen. Überall wurden Waren zum Kauf angeboten. Manch ein Händler war beladen mit einer Babusstange und zwei Körben zu Fuß oder mit dem überladenen Fahrrad unterwegs. Die Kunden fahren mit ihren Rollern dicht heran, steigen nicht einmal ab und kaufen noch auf dem fahrenden Untersatz sitzend, ihre Lebensmittel ein. Für uns ist das alles merkwürdig und befremdlich.

Nachdem wir eine Runde gedreht hatten, gingen wir an den nahen See. Hier treffen sich unter der Woche viele ältere Leute und machen Fotos in verschiedenen Outfits. Das wird alles dafür mitgebracht, man zieht sich rasch um und nimmt noch einen Blumenstrauß in die Hand. Überall stehen die Frauen zwischen den Blumenbeeten oder an einen imposanten Baumstamm gelehnt und posieren für die Kamera.

Bei einer Gruppe von Frauen, die einen Lautspreche dabei hatten, hielt My Linh einen kleinen Plausch. Sie wollte die Frauen zu einer Demonstration ihrer Tanzchoreografie animieren. Aber sie wollten es uns nur vorführen, wenn wir mitmachen. So kamen wir etwas ins Schwitzen. Die Schrittkombination war nicht ganz so einfach und die Temperaturen werden langsam wärmer.

Am Ngoc Son Temple erhielten wir eine kleine Schulung zu den Bildern und Symbolen, die hier zu sehen sind. Der weiße Tiger verkörpert Reinheit und Spiritualität, der Karpfen ist ein kräftiges Tier, das gegen den Strom schwimmt und ist hartnäckig und ausdauernd.

Wir kamen dann zum Literaturtempel, der ersten Universität Hanois. Hier wurden schon vor über einem Jahrtausend konfuzianische Traditionen gelehrt. In dem historischen Komplex gibt es nicht nur alte Gebäude, Bildnisse von Konfuzius und anderen Gelehrten, sondern auch einen sehr schönen Park mit altem Baumbestand und sehr schönen, sicherlich sehr alten, Bonsais.

Auch hier gibt es Ahnentempel. Da nicht jeder an das Grab seiner Angehörigen kann, bzw. nicht jeder zu Konfuzius seiner letzten Ruhestätte reisen kann, gibt es solche kleinen Tempel mit “Altar”. Hier kann man dem Verstorbenen seine Ehre erweisen in dem man ihm Opfer bringt und Räucherstäbchen anzündet.

Zum Mittagessen fuhren wir in ein traditionelles, vietnamesisches Restaurant. Alle Gerichte waren lecker, ohne Koriander und nicht sehr scharf. Eher schon mild gewürzt.

Im Gastraum war es recht laut und warm, so sind Tom und ich schon auf die Straße raus und haben hier auf den Rest der Gruppe gewartet. Wieder gurkten die Roller durch die enge Gasse und an uns vorbei. Es gibt mittlerweile eine Helmpflicht, aber die Kopfbedeckungen finde ich manchmal schon eher als Spielzeug. Oft sieht man auch Kinder, die ohne Helm zwischen den Beinen stehend, transportiert werden. Zum Glück fahren alle relativ langsam und irgendwie kommen sie dann doch alle ohne Schaden aneinander vorbei.

Am Ho Chi Minh Mausoleum wird nicht nur der Revolutionsheld aufgebahrt, hier hat er auch lange Zeit seines Lebens gelebt.

Wir besichtigten sein Wohnhaus und konnten in sein Schlafzimmer blicken. Er war ein sehr bescheidener Mann und schlief nur auf einer Bambusmatte. Dies hat man in Indochina lange gemacht, da man durch die Luftfeuchtigkeit sehr schwitzt und dann die Matratze nicht mehr trocknet.

So richtig bescheiden scheint er mir aber dann doch nicht gewesen zu sein. Auf seinem Anwesen pflanzte er eine Mangobaumallee und er besaß Haus auf Stelzen am See als Schreibstube. Naja, im Vergleich zu Trump ist dies dann doch bescheiden.

Ho Chi Minh wird auch gerne als “Onkel Ho” bezeichnet. Unsere Reiseleitung erzählte, dass Onkel Ho im Sommer immer in den Urlaub nach Russland zum Erneuern der Einbalsamierung gebracht wird. Die Vietnamesen wussten lange Zeit nicht wie man seinen Leichnam einbalsamieren soll, um ihn haltbarer zu machen. Mittlerweile muss “Onkel Ho” nicht mehr verreisen.

Eine Mitarbeiterin führte uns zwei typische Musikinstrumente vor. Das Monochord und das Bambusklavier.

Der Klang des Monochord ist, ich würde sagen, weinerlich, singend. Es besteht aus einem Klangkörper, einer Saite und einem Stab, der die Tonhöhe verändert.

Das Đàn T’rưng ist ein Xylofon aus Bambusrohren. Es klingt ähnlich wie unsere Holzxylofone. Das war eine tolle Darbietung.

Gleich im Anschluss werden wir diese Musikinstrumente in einer Aufführung des Wasserpuppentheaters in einem Orchester wiederfinden.

Wir kannten bisher nur Handpuppen oder Marionetten, aber Wasserpuppen kannten wir noch nicht. Diese werden aus leichten Hölzern hergestellt und an langen Stangen, die durch das Wasser nicht zu sehen sind, bewegt. Obwohl wir nichts verstanden, waren die Geschichten zu begreifen. Das Ganze Spektakel war beeindruckend und anders.

Ach ja, diese Gasse ist auf der ganzen Welt bekannt. Hier machten wir nur einen winzig kurzen Halt und deshalb konnten wir auch keinen Zug durchfahren sehen.

Es ist schon verrückt, dass man hier eine Gasse mit Gaststätten und Marktständen hat, obwohl ein Zug regelmäßig durchfährt und dann noch dieses Verkehrschaos.

Den Abend hatten wir zur freien Verfügung und so unternahmen wir einen kleinen Spaziergang um den See herum. Noch immer posierten die Leute für besonders schöne Fotos. In Indochina hat am 17.02. das neue Jahr, das Jahr des Pferdes, begonnen. Als wir vor 6 Jahren auf unserer Reise auf die Südhalbkugel waren, war das Jahr der Ratte.

Zum Abendessen gingen wir in unser Hotel. Das Restaurant liegt ganz oben auf dem Dach und so waren wir fern des Verkehrschaos und der Abgase. Als wir die Speisekarte öffneten waren wir überrascht. Diese wird von innen beleuchtet.

Was für ein Gimmick.

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