Wir haben nun Nordvietnam verlassen und sind in Zentralvietnam in der Stadt Hue gelandet. An dieser Stelle ist das Land nur ein paar Kilometer breit und das Wetter ist trockener und heißer. Heute werden wir Sonnenschutz und viel Wasser zum Rausschwitzen benötigen. Für heute steht eine Audienz in den Gemäuern des Kaisers von Vietnam an. Die Dynastie trug den Namen Nguyễn und bestand von 1802 bis 1945. Ab 1883 war der Kaiser machtlos unter französischer Herrschaft. Der letzte Kaiser mit offiziellem Namen Bảo Đại lebte 1913 bis 1997, 1945 musste er abdanken.

Die Kaiserstadt ist wie die verbotene Stadt in China aufgebaut. In ihr lebten die Kaiser mit ihren Frauen, Konkubinen, Kindern und der Kaisermutter. Und natürlich auch der gesamte Hofstaat. Viele der Gebäude wurden in den zwei Indochinakriegen zerstört und nur ein paar der Häuser konnten wir besichtigen.

Diese bestachen dafür mit ihren Verzierungen, Ornamenten, Schnitzereien und Blattgoldornamenten um so mehr.

Wir lernten, dass nur die Höhergestellten auf dem Bett oder einer höheren Plattform sitzen durften. Die Untergebenen mussten auf dem Boden sitzen.

Nur in der kaiserlichen Stadt durften die Royals selber gehen, außerhalb der Stadtmauern wurden sie in Sänften getragen.

Einige Einheimische liehen sich traditionelle Kleidungsstücke und fotografierten sich gegenseitig vor den historischen Gebäuden.



Wir liefen viele Kilometer auf dem Areal und kamen nicht nur an Gebäuden vorbei, sondern auch an alten schon fast verfallenen Mauern. Manch ein Farn hat es geschafft in einer Ritze zu wurzeln.

In den Mauern des Hauses der Kaisermutter sieht man vorwiegend Phönixe als Zierde, beim Kaiser sind es Drachen, die für Stärke stehen.

Bei den Ahnentafeln oder Ahnenaltären sieht man wieder Statuen oder Bilder der kaiserlichen Familie, davor die Opfergaben und Räucherstäbchen.

Diese gibt es übrigens in unterschiedlichen Längen. Ein Gebet sollte mindestens 20 Minuten dauern. Deshalb gibt es die Längen 20 und 40 Minuten. Dieser rauchende Drachen gefiel mir besonders gut.
Wir verließen nach mehreren Stunden diese zum Teil schon parkähnliche Anlage. Hier wurden wir von Rikschafahrern erwartet. Jeder durfte in einer dieser typisch vietnamesischer Verkehrsmittel platz nehmen.

Bei diesen Modellen sitzt man vor dem Fahrer und man bekommt den turbulenten Verkehr hautnah mit. Wir saßen also in der Höhe der Abgase, wurden von der Sonne geröstet und hatten manchmal schon Angst im Straßenverkehr als Opfer zu enden. Mein Chauffeur fuhr als Linksabbieger im Gegenverkehr noch in eine große Kreuzung als die Ampel schon länger Rot war. Von vorne und von rechts kamen die Mofas und Autos hupend angebraust und alles schlängelte sich irgendwie aneinander vorbei. Unsere Strecke führte dann noch über den Markt.

Das waren Gerüche kann ich euch sagen und Erlebnisse, die braucht es nicht unbedingt. Die Fahrt auf dem heißen Asphalt endete dann indem ich einige Hundert Meter am linken Straßenrand gegen den Verkehr gefahren wurde. So sieht übrigens der Bremshebel einer Rikscha aus.

Am Ufer des Parfümflusses wartete ein kleines Schiff auf uns.

Mit diesem werden wir bei einem Mittagessen den Fluss hinauffahren und am Ende vom Bus wieder abgeholt werden. Das Gewässer heißt Parfümfluss weil früher wohlriechende Edelhölzer wie zum Beispiel Sandelholz darauf transportiert wurden.

Das Schiff ist eigentlich eine schwimmende Plattform auf der die ganze Familie lebt und ihr Geld mit diesen Fahrten und dem Essen verdient. Als ich die Toilette suchte, musste ich durch die Küche und sah, dass unser Geschirr gerade von Hand in einer großen Schüssel mit (Fluss-) Wasser gespült wurde. Na, hoffentlich geht es uns morgen noch gut. Die Fahrt auf dem langsam fließenden Gewässer war nach dem Laufen und gefahren werden in der Sonne angenehm erholend.

Unser Busfahrer erwartete uns am Zielort schon. Er hatte die Zeit in einer Hängematte im Kofferraum verbracht.

Frisch ausgeruht fuhr er den Bus zu Minh Mangs letzter Ruhestätte. Minh Mang war der 2. Kaiser der Nyghen-Dynastie und lebte von 1791 bis 1841. Er wollte damals schon sehen und mitbestimmen, wo er beerdigt werden wird, und ließ sich auf der Baustelle eine Unterkunft errichten, von der aus er die Bautätigkeiten beobachten konnte. Es ist jetzt eine große Parkanlage mit Hügeln und Seen und der klassischen Ahnenaltäre.


Heute hatten wir so viel frische Luft, Sonne und Hitze, dass wir uns alle nur noch auf eine erfrischende kühle Dusche und das klimatisierte Hotelzimmer freuten. Aber My Linh hatte noch etwas mit uns vor. Sie wollte uns unbedingt noch die Herstellung von Räucherstäbchen zeigen.

Die Gegend ist für diese Bilder bekannt. Es sind eingefärbte Bambusstäbe, deren Enden so elegant als Fläche ausgestellt werden. Die Räumlichkeiten rochen extrem nach der Masse, die an die farbigen Hölzchen gedreht wird. Das geht so schnell, dass man es fast nicht sehen kann.
Jetzt aber bitte ohne Umwege ins Hotel. Nachdem wir uns erholt hatten, gingen wir zum Abendessen in die nahe Fußgängerzone von Hue und auf dem Heimweg entdeckte ich diesen süßen Familienroller.
