Heute wollen wir weiter am Neckar entlang radeln, das Ziel für heute ist Tübingen. Ich hatte gestern von der Tradition der morgendlichen Trompeter berichtet, aber wir wurden nicht von den Trompetern der evangelischen Kirche geweckt. Evtl. haben wir sie überhört oder es gibt diese Tradition doch nicht mehr. Unsere Gastgeberin hatte uns gestern schon gesagt, dass es erst nach 8.15 Uhr Frühstück gibt. Der Bäcker macht nicht vorher auf. Da wir schon einiges früher wach waren, liefen wir nochmals durch den Ort.

Beim Bäcker direkt vor unserem Gasthof tat sich schon einiges, die Verkäuferin kehrte den Vorplatz und wischte die Tische und Stühle ab und wir dachten so bei uns: Hätten wir doch lieber ohne Frühstück gebucht und gleich selber was besorgt. Aber wir erfuhren später, dass die Kasse erst um punkt 8.00 Uhr geöffnet wird. Die Mitarbeiterin bekommt sonst Ärger. Wir vertrieben uns die Zeit und pilgerten nochmals zur Kirche, die aber auch heute verschlossen war.

Dafür entdeckten wir diesmal die Drachen und den Bärenkopf, dies sind Übrigbleibsel der Vorgängerkirche, und sollen vor Dämonen schützen.

Unten am Neckar konnten wir noch schöne Aufnahmen des ganz glatt daliegenden Flusses machen. Eine so friedliche und ruhige Morgenstimmung.

Als wir dann vor der Gasthoftüre standen, kam gerade unsere Wirtin mit einem großen Korb Brötchen über die Straße und ließ uns schon mal rein. Die Stärkung mit Ei, Kaffee und Backwaren hilft uns sicher die nächsten Kilometer zu bewältigen. Eine Stunde später bepackten wir die Drahtesel und traten in die Pedale, um wieder dem jungen Neckar Richtung Mündung zu folgen.

Die ersten Kilometer verliefen parallel zum Fluss, der nach einem Wehr wieder schmäler und flotter dahinströmte.

Das Tal hat sich geweitet und die Ufer sind mit Wiesen bedeckt. Tom erspähte einen Biber, der am gegenüberliegenden Ufer aktiv war und gleich nebendran stand ein Graureiher bis zum Bauch im Neckar und versuchte sein Frühstück zu fangen.


Immer wieder kreuzt unser Radweg, der zum größten Teil asphaltiert ist, den Neckar. An einer besonders alten Pfahljochbrücke verweilten wir etwas und bestaunten die Konstruktion und das sehr alte Holz. Teile davon stammen noch aus dem Jahr 1257. Damals hat man halt noch für die Ewigkeit gebaut.


Leider sind unsere heutigen Handys nicht für ewig gemacht, meines hat ab hier keine Bilder mehr gespeichert und so kann ich euch leider nicht so viel zeigen. Vielleicht hat Tom ja das ein oder andere Bild geschossen.

Der Reiseführer empfahl einen Abstecher zum Wasserschloss Glatt. Dies wollte ich eigentlich auch unternehmen, da mit unseren eBikes Steigungen nicht so anstrengend sind. Aber beim Abendessen gestern mussten wir feststellen, dass das Schloss erst um 11.00 Uhr öffnet. So lange wollten wir nicht warten. Die Mittagshitze wird noch anstrengend genug werden. So ließen wir unsere Drahtesel einfach weiter den Neckar entlang rollen. Für einen Ort haben wir die Strecke dann doch noch verlassen. Es gibt ein Dettingen mit einem Schloss. Hier schoss ich einige Fotos, um euch zu beweisen, dass wir in Dettingen waren. Nur blöd, dass die keiner sehen kann.
Die B32 Neckartalbrücke wird zur Entlastung der Stadt Horb gebaut und von hier unten sieht das sehr beeindruckend aus. Die Brücke soll 667 Meter lang und bis zu 70 Meter hoch werden, die Pylonenhöhe sollen sogar 90 Meter betragen. Im Moment stehen die Pfeiler und ein Stück der Straße liegt auch schon auf. Wie die das nur alles in den luftigen Höhen schaffen, beeindruckend. Da mein Foto nicht funktioniert, gibt es von der Baustelle von diesem Tag keine Bilder. Aber als wir auf dem Heimweg mit dem Zug hier vorbeikamen, haben wir noch welche gemacht. Also nicht wundern, dass man Reflexionen von einem Fenster sieht.

Aus dem gestern noch kleinen Bach ist nun ein stattlicher Fluss gewachsen von dessen Ufer die Stadt Horb sich erhebt. Tom hat ein Bild von mir, wie ich die Stadt fotografiere, gemacht. Wenn ihr genau hinseht, könnt ihr meine Initiative gegen die stechende Sonne sehen. Ich hab meinen Buff (Schlauchtuch) über den Hinterkopf gezogen und schütze so meine Ohren und den Nacken vor der Einstrahlung.

In Horb am Neckar sind wir über den Neckar in die Altstadt, die am Berg hinauf gebaut wurde, zum Marktplatz und der Stiftskirche gefahren. Wir hörten schon beim Hinlaufen, dass im Innern ein Gottesdienst stattfindet, und so sind wir drumherum gelaufen und haben uns den Schurkenturm und die Burg Hohenberg angesehen.

Von dort oben hat man einen weitreichenden Blick über den Neckar und die in der Sonne glühende Landschaft.
Wie wir so im Burghof auf einer Himmelsliege die Beine hoch legten, überlegten wir was wir nun machen sollen. Für ein Mittagessen hatten wir noch keinen Hunger, aber gleich wieder aufsteigen und weiterradeln wollten wir auch nicht. Google verriet uns, dass es eine kleines Lokal am Fluss gibt und so rollten wir zurück ans Ufer und machten zwischen Neckar und Mühlkanal ein Erfrischungshalt mit Johannisbeerschorle. Nachdem der Flüssigkeitsspiegel wieder stimmte, fuhren wir weiter auf dem Neckartalradweg, der teilweise am schattigen Waldrand entlang verlief.
In Bieringen kam dann doch langsam der Hunger hoch und wir kehrten im Landgasthof Kaiser ein. An diesem kleinen Ort war in der Gaststätte so viel los, dass wir gefragt wurden, ob wir reserviert hätten. Wir bekamen aber doch noch ein Zweiertisch im Schatten der hauseigenen Brennerei und aßen einen riesigen Salat mit Putenstreifen bzw. Speck.

Die Weiterfahrt wurde immer heißer, das Tal hat sich geweitet und es gab fast keinen Schatten. Die Wiesen sind zum Teil frisch gemäht und viele Greifvögel kreisen über den freien Flächen und versuchen eine Maus zu erhaschen.

Als wir Rottenburg am Neckar erreichten, waren wir von der Sonne gegrillt und hoch erhitzt suchten wir nach einer Möglichkeit uns abzukühlen. In den Gassen der Innenstadt staute sich allerdings die Mittagshitze und der Platz vor dem Dom hat keine Bäume. Wir stellten die Räder am Rand des geräumigen Marktplatzes ab und suchten die Kühle des Doms St. Martin, dem Wahrzeichen der Stadt, auf. Die Halle empfing uns mit einer angenehmen Kühle und wir setzten uns in eine Bank und blickten uns um. Das Innere der Kirche ist sehr nüchtern gehalten, was einen erstaunt, denn das Gebäude stammt aus dem 15. Jh. Die dreischiffige Basilika, mit ihrem unregelmäßigen Grundriss, wurde 1998 bis 2002 neu gestaltet und wurde bewusst heller und lichter gehalten. Das bedeutet aber auch, dass Ornamente und prachtvolle Glasfenster nicht zu finden sind. Etwas abgekühlt liefen wir dann noch etwas durch die Altstadt und tranken am Neckarufer einen Kaffee mit Blick auf die Stockerkähne und die Fachwerkhäuser.


Auf dem Weg zurück zu unseren fahrbaren Untersätzen erstanden wir noch ein Eis und schlotzten die cremige kalte Süßspeise genüsslich.
Zwischen Rottenburg und Tübingen war es landschaftlich nicht mehr so schön. Wir radelten fern des Neckars durch gemähte Wiesen und durch Ortschaften. Erst kurz vor unserem Ziel kamen wir wieder an den Fluss und fuhren zwischen den Leuten, die Abkühlung suchten und denen, die ihren Freizeitbeschäftigungen wie Ballspielen oder auf Picknickdecken chillen, nachgingen. Unsere heutige Übernachtung liegt sehr zentral in einer der ältesten Universitätsstadt Deutschlands. Nachdem die Fahrräder sicher versorgt waren, gingen wir auf unser Zimmer und genossen den Blick über den Neckar, auf dem ein reges Treiben herrschte, hinauf zur historischen Altstadt.


Erst jetzt bemerkte ich, dass mein Handy alle Fotos des Tages nicht gespeichert hatte und ich versuchte auf allen möglich Wegen sie doch noch herzuzaubern. Nachdem wir geduscht hatten und uns langsam wieder abgekühlt hatten, war auch das Handy wieder willig Bilder aufzunehmen. Immer wenn es dem Gerät zu warm wird, funktioniert die Kamera nicht mehr 😩.

Na ja, jetzt geht´s ja wieder. Als draußen die Hitze etwas weniger wurde und die Sonne langsam Richtung Horizont sank, gingen wir raus und liefen über die Neckarbrücke und zum alten Botanischen Garten hoch. In der Parkanlage mit sehr alten Bäumen tummelten sich noch viele Studenten und wir gingen an der Ammer entlang wieder in die Innenstadt mit ihren vielen Fachwerkhäusern und dem Marktplatz.



Die Stiftskirche St. Georg, die 1470 bis 1490 erbaut wurde, gehörte früher zum Bistum Konstanz. Im Innern war es angenehm kühl und wir bewundert des Chorgestühl und die bunten Fensterbilder. Der Klappaltar von 1520 wurde von einem Schüler Dürers, Hans Schäufelin, gemalt. Mitter der 1960er wurde die Kirche innen renoviert.


Unser Abendspaziergang führte dann noch über die Neckarinsel, von der aus man nochmals einen sehr guten Blick auf den Hölderlinturm, die Fachwerkhäuser und die Stiftskirche hat.

Ein Nilganspaar führte stolz ihre 9 Küken über die Wiese und verteidigte sie gegen eine neugierigen Stockentenerpel.
Den Abend ließen wir auf der hoteleigenen Terrasse mit Blick auf den Neckar bei einem herrlichen Sonnenuntergang ausklingen.

Tom schaute schon mal, wie wir morgen wieder nach Hause kommen. Die Züge werden, nach dem langen Wochenende und dem tollen Wetter, sicherlich recht voll werden und mehrmals umsteigen wollten wir auch nicht.
Wunderschön, wie immer.