Kurzentschlossen machten wir über das Pfingstwochenende eine Radtour den Neckar entlang. Eigentlich war für Sonntag eine Geburtstagsfeier geplant, aber der Jubilar musste gesundheitsbedingt absagen. So ergab es sich, dass wir genügend Zeit für eine mehrtägige Tour hatten.

Am Samstag früh um 7.00 Uhr beluden wir unsere Drahtesel und los ging es nach Allensbach. Der Wald und die Äcker lagen noch mit Frühtau im leichten Dunst und es versprach ein herrlicher Sonnentag zu werden.

Am Gnadensee angekommen, fuhren wir als erstes zum Bäcker, wo wir fürs Frühstück Brezeln, Croissants und Brötchen kauften. In der Zeit bis der Zug heranrollte, hatten wir schon die ersten Backwaren verspeist.

Im Wagon war für unsere Bikes noch genügend Platz und auch wir fanden eine freie Sitzmöglichkeit. Auf dem Weg nach Villingen, dem Startpunkt unserer Radtour, kamen wir ins Gespräch mit zwei Radfahrerinnen. Sie haben eine Tour um den Bodensee gemacht und waren von unserer Heimat begeistert. Leider wurde ihre geplante Zugverbindung nach Hamburg ersatzlos gestrichen und nun hoffen sie es irgendwie zurückzuschaffen. Das Ganze ist für sie sehr ärgerlich. Sie haben die geplante letzte Nacht in einem Hotel sausen lassen müssen und alle Reservierungen (mit Fahrrädern) sind nun hinfällig. Sie wissen noch nicht, wie sie es schaffen. Bei jedem Umstieg besteht das Risiko, dass die Räder nicht mehr mitgenommen werden können. Na, hoffentlich passiert uns das nicht auf der Rückfahrt. Im Moment bin ich nur froh, dass ich mit meinem Gefährt ebenerdig einsteigen konnte und hoffe, dass es in Villingen einen Aufzug für die Räder gibt. Nicht dass es uns wie vor einem Jahr auf der Strecke Ulm – Immendingen – Konstanz erging.

In Villingen angekommen, verließen wir die netten Hamburgerinnen und sahen uns erstmal um. Was für ein Glück, hier gibt es wirklich einen funktionierenden Fahrstuhl. Es passt zwar immer nur eine Person mit fahrbarem Untersatz rein, aber immerhin.


Vor dem Bahnhofsgebäude mussten wir zuerst die Lage checken und die App zum Laufen bringen. Als dann auch die Technik so weit war, zogen wir los.

Erst durch Villingen, dann durch Schwenningen und raus in die Natur. Am Schwenninger Moor machten wir schon gleich die erste Pause und liefen zu Fuß. Das Moor ist das Quellgebiet von Donau und Neckar. Das bedeutet, dass ein Teil der Wassertröpfchen eine Reise zum Schwarzen Meer und der andere Teil zur Nordsee antreten (oder sie verdampfen und kommen irgendwo als Regen wieder runter 😉). Das Moor liegt heute idyllisch in der Sonne und die Singvögel und Frösche liefern den Soundtreck dazu.
Das Moorgebiet ist eine kleine Oase, die zum Verweilen und Beobachten einlädt und mit den stabilen Holzstegen auch Lust auf eine kleine Wanderung macht.

Diese haben wir vor Jahren schon mal unternommen und so fuhren wir lieber rasch weiter. Wir sollten bis zum Abend in Sulz am Neckar sein, ansonsten verfällt unsere Zimmerreservierung für heute Nacht.

An der offiziellen Neckarquelle hielten wir wieder an. Die traditionelle Quelle wurde zur Landesgartenschau 2010 wieder hergerichtet und dem Neckar wurde auf dem Gelände mehr Platz für Überschwemmungen gegeben.

Ab jetzt führt unsere Reise immer im Neckartal an diesem (von der Quelle bis zur Mündung bei Mannheim 362 km langen) Gewässer entlang. Wir werden allerdings nicht die gesamte Strecke fahren, schließlich haben wir nur drei Tage Zeit. Was aber sicher schön ist, ist das Gefälle. Die Quelle liegt auf 705 m ü NN und die Mündung auf 88 m ü NN.

Als wir aus dem Stadtgebiet von Villingen-Schwenningen hinaus radelten, war das kleine Rinnsal schon ein Bach, dem wir folgten. Das junge saftige Grün der Bäume spendete uns eine Zeitlang Schatten und der Bach kühlte die Luft etwas herunter.
In Deißlingen kamen wir an diesem witzigen Brunnen vorbei. Ich hielt kurz, machte ein paar Bilder von der Kuh, den Männern und der Kirche St. Laurentius und schwang mich sogleich wieder in den Sattel und folgte Tom.


Zwischen den üppig blühenden Wiesen wurde es uns warm und am nächsten Wegkreuz hielten wir an, vesperten das letzte Brötchen und kürzten unsere Hosen mit Blick auf den TK-Elevator-Testturm von Rottweil.

Nach der Zeit im Grünen erreichten wir die Stadt Rottweil, die die älteste Stadt Baden-Württembergs ist. Wir fuhren auf den verkehrsreichen Straßen direkt ins Zentrum, wo heute Markttag ist. Der Trubel um die Stände herum, das Schwäbisch der Einwohner und die vielen renovierten Fachwerkhäuser versprühten einen besonderen Flair.




Wir liefen die bekannteste Straße der Stadt zum schwarzen Tor hinauf. Heute stehen hier die Marktbuden, am Fasnachtsmontag und -Dienstag findet hier der weitbekannte Narrensprung statt. Zwischen den Häuserfasaden und auf den gepflasterten Gassen wird es immer wärmer und wir beschließen uns im Münster zum Heiligen Kreuz abzukühlen. Die Kirche wurde im 13. Jh. gebaut und wurde erst im 16. Jh. vollendet. Im Innern herrschen angenehme Temperaturen und wir hielten uns eine Zeitlang darin auf und bestaunten die Glasfenster und Holzschnitzereien.




Nach Rottweil, das früher zum Bistum Konstanz gehörte, konnten wir leider eine Strecke nicht im Neckartal weiterradeln. Uns wurde der Weg mit einem dicken Bauzaun und einem Fahrverbotsschild versperrt.

So mussten wir leider bergauf strampeln und uns unseren Weg ohne App und ohne Beschilderung suchen. Deshalb kamen wir an der Burgruine Herrenzimmern vorbei. Baubeginn dieser Festung war 1050.

Hier oben kann man die bewaldeten Hänge überblicken aber eine faszinierende Aussicht sucht man vergebens.

Von der Felszunge, auf der die Ruine steht, rasten wir die Straße zum Neckar runter. Zu unserem Glück fahren nicht viele Autos auf dieser Strecke und wir konnten den Rausch der Geschwindigkeit unfallfrei genießen. Zurück auf unserer eigentlichen Route, am nun schon etwas breiteren Neckar, hielt ich für einen Fotostopp.

Als ich dann zu Tom aufschloss, teilte er mir mit, dass etwas mit seinem Rad nicht stimmt. Der Motor ließ sich nicht mehr aktivieren und wir rätselten länger, woran dies liegen könnte. Wir befragten das Internet und kamen aber leider auf keine Lösung. Da hilft nur eines, weiter zum nächsten Ort ohne Unterstützung und dort schauen, wie wir weiterkommen. Gut, dass wir dem Wasserlauf stromabwärts folgen. Trotzdem mussten wir doch ab und zu eine kleine Steigung hoch und Tom fluchte etwas rum. Wenn wir das Problem nicht beheben können, war´s das mit der Tour. So macht es keinen Spaß. In Oberstdorf am Neckar kamen wir an einen Campingplatz mit Minigolfplatz und Imbissbude vorbei. Ich überredete Tom zu einer Pause mit Kaffee. Außerdem gab es hier eine Lademöglichkeit für eBikes.

Unsere Idee war, dass sich der Mini-PC beim Laden vielleicht neu aufstellt. Aber auch dies war Wunschdenken. Die beste Idee war dann bei unserem Fahrradhändler in Konstanz (30 Minuten vor Ladenschluss) anzurufen. Der Mann aus der Werkstatt war sehr höflich und konnte Tom beraten. Es hatte sich nur ein Kabel gelöst, das er ohne Schwierigkeiten wieder feststecken konnte.

Ab jetzt rollte auch Toms Drahtesel wieder ohne Probleme und wir konnten das heutige Ziel Sulz am Neckar, zwar verschwitzt und verstaubt, aber froh es geschafft zu haben, erreichen.

Nachdem wir 10 Stunden unterwegs waren, davon 71,5 Kilometer geradelt sind, stellten wir die Räder in die Garage der Herberge und uns unter eine kühle Dusche. Am Abend erkundeten wir dann mit einer Geocachrunde / Adventure Lab den Ort, dessen Namen wir nur vom Schild der Autobahnausfahrt kannten. Auf diese Art erfuhren wir mehr über die in dessen Bereich bis ins 16. Jh. Salzsiedehallen standen. Der Marktplatzbrunnen, der 1570 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird, wurde in dieser Form 1820 aufgestellt.

Weiter geht’s den Berg zur evangelischen Stadtkirche hoch. Sie wurde 1513 erbaut und ihre Besonderheit ist der Balkon am Turm, von dem die Gemeindemitglieder am Sonntag früh von Turmbläsern geweckt werden. Oha, da sind wir ja gespannt. Morgen ist Pfingstsonntag.

Ein kleines Stück der alten Stadtmauer kann man hier noch sehen. Von der Ringmauer um Sulz herum ist nicht mehr viel erhalten.

Der Narrenbrunnen ist wieder interessant. Man sieht die beiden Fasnachtsfiguren Optimist und Pessimist. Die Narrenfiguren entstanden 1949 und sollen die Zukunft und die Vergangenheit nach dem Krieg verkörpern. Der Pessimist verkörpert die Zeit im Krieg mit Entbehrungen und Not, der Optimist, der ins Licht zur Sonne zeigt, weißt die helle Zukunft.

Die Waldhornbrücke hat ihren Namen von dem danebenstehenden Hotel Waldhorn. Sie wurde 1740 aus Stein erbaut, um eine hochwassersichere Rohrleitung von den Salzbrunnen zur Saline zu haben. Sie ist eines der letzten Zeugen der Salinengeschichte der Stadt Sulz.

Nach so viel Bewegung an der frischen Luft haben wir uns jetzt ein gutes Abendessen verdient.